Ambidextrie – eine Organisationsform, die Innovation und Effizienz vereint

Die VUCA-Welt und das Innovator’s Dilemma

Eines ist sicher, nur weniges hat in der heutigen Zeit lange Bestand. Die Arbeitswelt verändert sich rasch durch Digitalisierung und Globalisierung, und was heute modern ist, muss morgen schon wieder abgelöst werden. In diesem Zusammenhang taucht häufig der Begriff der VUCA-Welt auf: Das Umfeld, in dem wir heute agieren, wird nämlich als unbeständig (Volatility), ungewiss (Uncertainty), komplex (Complexity) und mehrdeutig (Ambiguity) beschrieben. Unternehmen geraten in ein Dilemma: Das Erfolgsmodell ist bewährt und bringt Gewinn ein; was aber, wenn ein Konkurrent eine Alternative auf den Markt bringt, die das eigene Produkt von heute auf morgen überfällig macht? Dann ist es womöglich zu spät, um in die Entwicklung neuer Technologien zu investieren.

Bewährtes beibehalten und dennoch Innovationen vorantreiben?

Wie entscheidet man also, wann man dem Erfolgsmodell treu bleiben und wann man en Absprung wagen sollte? In Organisationskulturen, die auf Effizienz setzen, geht es um die zeitnahe Performance. Der Gewinn wird hier kurzfristig mit bewährten Erfolgsmodellen gesichert und Innovationen werden, wenn überhaupt, nur schrittweise vorangetrieben. Man spricht hier auch von Exploit-Strategien. Eine Innovationskultur dagegen erinnert an die typische Start-Up-Atmosphäre: Kreativ und agil treibt eine solche Kultur disruptive Innovationen voran, die eher mittelfristige Gewinne versprechen. Sie gestaltet damit aktiv die Zukunft – hier spricht man von Explorations-Strategien. Der Konflikt zwischen beiden Strategien in einem Unternehmen scheint vorprogrammiert, denn beide

  • beanspruchen dieselben Ressourcen,
  • machen unterschiedliches, bisweilen gegensätzliches Verhalten (z. B. Führungsstile) notwendig und
  • wirken selbsterhaltend (z. B. weil die Innovation zwar kein Erfolg war, aber schon viel investiert wurde oder weil das bewährte Produkt so erfolgreich ist).

Die beidhändige Organisation

Unter dem Trendbegriff der Ambidextrie werden Versuche gefasst, die oben beschriebenen Konflikte aufzulösen. Nach O’Reilly und Tushman (2008) haben so genannte ambidextere Organisationen eine Balance zwischen Forschen und Optimieren gefunden. Anders formuliert beschreibt organisationale Ambidextrie die Fähigkeit von Organisationen, gleichzeitig effizient und flexibel zu sein. Ambidextrie bedeutet vom Wortursprung her „Beidhändigkeit“ (von lateinisch ambo „beide“ und dexter „rechte Hand“) und soll entsprechend im Rahmen der organisationalen Ambidextrie die Wichtigkeit der Integration von Exploitation (Ausnutzung von Bestehendem) und Exploration (Erkundung von Neuem) verdeutlichen.

Wie aber kann das funktionieren, wenn es so viele Konflikte gibt? Ambidextrie kann zum einen strukturell gelebt werden (Strukturelle Ambidextrie), d. h. Effizienz und Innovation werden klar räumlich voneinander getrennt (z. B. an unterschiedlichen Standorten, unterschiedlichen Abteilungen etc) und parallel durchgeführt. Ein mögliches Problem stellt dann die mangelnde Zusammenarbeit und damit die Gefahr von Neid, Misstrauen oder fehlenden Absprachen dar. Kontextuelle Ambidextrie dagegen ermöglicht, dass in jeder Unternehmenseinheit eine Balance zwischen Exploration und Exploitation erreicht wird. Dies ist eine besonders komplexe Aufgabe für Führungskräfte: Sie müssen die Balance vorleben. Nur wenigen Führungskräften gelingt dieser Spagat erfolgreich.

Ambidextrie – Alter Wein in neuen Schläuchen?

Mit dem Konzept der „Ambidextrie“ wird das Rad nicht neu erfunden. Die Erkenntnis, dass Unternehmen innovativ sein müssen, um am Markt Bestand zu haben, während sie gleichzeitig ihr Geschäft möglichst effizient vorantreiben, überrascht nicht. In Zeiten immer kürzer werdender Produktzyklen entscheidet jedoch die Schnelligkeit über den erfolgreichen Fortbestand eines Unternehmens.

Interessant bleibt vor allem die Frage, wie Führungskräfte darauf vorbereitet werden können, Mitarbeiter in einem agilen Umfeld zu Innovation zu führen und gleichzeitig eine Umgebung zu schaffen, in der Effizienz im operativen Alltag erhöht wird. Methoden wie ein 360°-Feedback sind geeignet Trainingsbedarfe festzustellen, die dann im Rahmen von spezifischen Trainings bearbeitet werden können. Wichtig ist beispielsweise allen Beteiligen „Rüstzeug“ an die Hand zu geben, mit Komplexität umzugehen (https://www.itb-consulting.de/de/produkte/personalentwicklung/trainings-co/trainings/komplexitaetsmanagement/) oder die Selbstverantwortung zu fördern – und beispielsweise Führungskräfte darin zu stärken, als Personalentwickler zu agieren (https://www.itb-consulting.de/de/produkte/personalentwicklung/trainings-co/trainings/personalentwicklung-fuer-fuehrungskraefte/).

Weiterführende Literatur:

  • Duwe, J. (2017). Beidhändige Führung: Wie Sie als Führungskraft in großen Organisationen Innovationssprünge ermöglichen. Springer-Verlag.
  • O’Reilly, C. A. & Tushman, M. L. (2008). Ambidexterity as a dynamic capability: Resolving the innovator’s dilemma. Research in organizational behavior, 28, 185-206.
  • Terörde-Wilde, A., (2015): Plädoyer für mehr Selbstverantwortung. Personalwirtschaft 1, 48-50.
  • Terörde-Wilde, A., Petruschke, P., Kiewisz, T., Krauß, L. (2014): Selbstverantwortlich zum Kulturwandel. Personalwirtschaft 1, 62-64.

Jeder Mensch ist kreativ! – Wie Unternehmen das Innovationspotenzial ihrer Mitarbeiter ausschöpfen

„Das Herz und die Seele des Unternehmens sind Kreativität und Innovation“

So gehört von Robert Iger, dem Chief Executive Officer des Disney-Konzerns. Dieses Zitat verdeutlicht die Wichtigkeit kreativen Denkens und innovativen Handelns für Unternehmen. In einem Zeitalter der Globalisierung, des technologischen Fortschritts, der Digitalisierung und Informationsfülle kann es für Unternehmen jeglicher Art und Größe schwierig sein, sich auf dem Markt und gegenüber Wettbewerbern, die von überall her kommen können, zu behaupten und mit der Zeit zu gehen. Innovative Lösungen können Unternehmen bei der Herausforderung, erfolgreich zu sein und zu bleiben, zur Seite stehen und gegenüber Wettbewerbern einen Vorsprung schaffen.

Was ist eigentlich „Innovation“?

Unter „Innovation“ kann man jegliche Arten von Änderungen verstehen, die mit technischem, sozialem oder wirtschaftlichem Wandel einhergehen. Innovation ist gekennzeichnet durch die Neuheit eines Objektes oder Prozesses innerhalb eines Unternehmens (oder allgemeiner gedacht: eines Systems). Weiterhin ist Innovation eine Veränderung oder Modifikation, die erst entdeckt oder erfunden wird, bevor sie implementiert, angewendet und schlussendlich in das alltägliche Geschäft eines Unternehmens (oder Systems) integriert wird. Innovationen können mannigfaltige Probleme lösen und dabei helfen, sich auf Kunden besser einzustellen.

Innovation, Kreativität und Veränderungsprozesse hängen eng miteinander zusammen. Kreativität bedingt Innovation, denn sie wird benötigt, um Ideen zu generieren, während man unter Innovation die Implementierung solcher Ideen innerhalb von Prozessen, Handlungsweisen und Produkte in einem späteren Stadium versteht. Innovationen wiederum sind notwendig, um dem bereits angesprochenen schnellen Wandel zu begegnen. Des Weiteren bedeutet die Implementierung innovativer Ideen stets auch einen Wandel oder eine Veränderung eines Systems beziehungsweise eines Unternehmens. In den Worten von Li Keqiang, amtierender Ministerpräsident der Volksrepublik China: „Veränderungen erfordern Innovation, und Innovation führt zu Fortschritt“.

Innovation kann viel mehr sein als nur neue Produkte

Wenn wir an Innovation denken, fallen uns für gewöhnlich Produkte oder Dienstleistungen ein, die bei ihrer Markteinführung besonders neu und einfallsreich erschienen, wie etwa das iPhone im Vergleich zum „normalen“ Handy. Jedoch betrifft Innovation nicht nur Produkte oder Dienstleistungen, sondern sie kann sich auf vielen Ebenen abspielen – Doblin (1998) unterscheidet gar zwischen zehn verschiedenen Arten von Innovation, wie etwa in den folgenden Bereichen:

  • Profitmodelle, also wie ein Unternehmen Geld verdient – Beispiel Netflix, die den Videoverleih komplett revolutioniert haben,
  • Prozesse, das heißt, welche Arbeitsmethoden ein Unternehmen nutzt – Beispiel Toyota’s „Lean Production“,
  • Produktleistung, das heißt, für ein Produkt besondere Eigenschaften oder Funktionen bzw. Alleinstellungsmerkmale entwerfen – Beispiel Coca-Cola, deren Rezeptur bis heute nicht 100% kopiert werden konnte),
  • Vertriebswege, also wie Unternehmensangebote den Kunden und Nutzern überbracht werden – Beispiel Essen bestellen, das per Fahrrad (statt per Auto) geliefert wird.

Diese Unterscheidung verschiedener Innovationsarten eröffnet Unternehmen ein breites Spektrum an Möglichkeiten, kreativ zu sein und neue Ideen zu implementieren, sowohl intern (z. B., neue Arbeitsprozesse), als auch extern mit Blick auf den Kunden.

Ich bin nicht kreativ, was jetzt?

Kreative und innovative Prozesse können von Einzelpersonen, Teams und dem Unternehmen als Ganzem durchgeführt werden. Manch einer mag ja von sich denken, dass er/sie nicht kreativ oder innovativ sei. Von einer solchen Vorstellung sollte man sich frei machen – jeder Mensch kann kreativ sein! Zudem gibt es Methoden und Prozesse zur Förderung der Kreativität und Innovation, die beispielsweise dabei helfen können, neue Ideen zu entwickeln oder bislang nicht bekannte Zusammenhänge zu erkennen.

Solche und andere Methoden und Prozesse probieren Teilnehmer des von ITB Consulting angebotenen Trainings „Creating Innovative Business Solutions“ aus. Dieses Training beruht auf den Grundlagen des Design Thinking, einem Ansatz zur Innovationsförderung, der in den 90er Jahren an der Universität Stanford entwickelt wurde und sich seitdem in vielen Unternehmen weltweit großer Beliebtheit erfreut. Sprechen Sie uns doch einfach an, wenn wir Ihr Interesse zum Thema Kreativität und Innovation geweckt haben!