Introvision im Coaching

Introvision im Coaching – dauerhaft zu mehr Gelassenheit

Der Alltag von vielen Führungskräften ist durch die intensive Beschäftigung mit hartnäckigen, inneren Konflikten gekennzeichnet. Gedanken drehen sich im Kreis, Widersprüche lassen sich nicht auflösen, innere Unruhe entsteht, und es kommt zu Anspannung und einem Gefühl der Zerrissenheit. Wie soll ich das Projekt „in time“ abschließen, wenn einflussreiche Stakeholder sich quer stellen und wichtige Projektmitarbeiter angesichts fehlender Karriereaussichten Abwanderungsgedanken hegen? Folgt man Frau Professor Angelika Wagner, die im Rahmen ihrer Forschungen an der Uni Hamburg Möglichkeiten der mentalen Selbstregulation untersucht hat, so muss es darum gehen, mehr Gelassenheit zu entwickeln. Und dies gelingt nach ihrer Auffassung dauerhaft nur, wenn man den Auslöser „entschärft“. Im Alltag von Führungskräften herrschen Ablenkungsstrategien vor: man schaut fern, treibt Sport oder konsumiert Alkohol. Der Auslöser für die unangenehmen Gefühle bleibt aber unangetastet. Rückt man dem Problem mit Coaching zu Leibe, geht es oft darum zu lernen, mit den Gefühlen besser umzugehen. Mittels Training eignet man sich Coping- und Angstbewältigungsstrategien an. Am Ende tut die Angst nicht mehr so weh, aber sie ist noch da und kann durch entsprechende äußere Hinweisreize oder eigene Gedanken jederzeit wieder ausgelöst werden. Hier geht die Introvision einen Schritt weiter, indem sie einen Weg aufzeigt, an dessen Ende die inneren Gedanken und Konflikte („Imperative“) keine unangenehmen Gefühle mehr auslösen und ihren Schrecken verloren haben. Die zugrunde liegende Kognition wird durch gezielt eingesetzte Wahrnehmungsprozesse von den unangenehmen Gefühlen, die sie auslöst, entkoppelt. Erste Erfahrungen mit dieser neuen Methode konnte ich in der letzten Woche bei einer Coaching-Veranstaltung in Konstanz machen. Für Interessierte sei nachfolgend das Hauptwerk von Frau Professor Wagner genannt, das allerdings selbst für wissenschaftlich erfahrene Leser etwas sperrig daherkommt: Wagner, Angelika C. (2011). Gelassenheit durch Auflösung innerer Konflikte – Mentale Selbstregulation und Introvision (2. Aufl.). Stuttgart: Kohlhammer.

2 thoughts on “Introvision im Coaching

  1. Als ich den Blog gelesen habe, ist mir sofort das ITB-Training “In-E-Motions” in den Sinn gekommen, dass unsere Kollegin, Barbara Zimmermann, entwickelt hat.

    Es geht in dem Training darum, das Potenzial von Emotionen zu erkennen und produktiv zu nutzen. Auch das “negative Image” von Emotionen soll überwunden werden. Das Training ist sehr praxisnah und am eigenen Erleben ausgerichtet.

    Themen sind zum Beispiel:
    – Gefühle kennt doch jeder! Emotionen im Berufsalltag: Woher kommen sie und was bewirken sie?
    – Vom Kopf zum Bauch. Auf Tauchgang – die eigenen Emotionen richtig deuten
    – Kapitän der eigenen Emotionen – wirkungsvoller Einsatz durch bewusste Steuerung
    – “Impfen und Anstecken” – Emotionen Anderer erkennen und steuern
    – Freiheit für Kopf, Herz und Bauch – Produktivität durch Loslassen

    Da gibt es sicherlich viele Anknüpfungspunkte zum Thema “Introvision”?!

  2. Das ist interessant! Zunächst dachte ich, “Introvision” sei nur ein (weiterer) schicker, aber weitgehend inhaltsleerer und überflüssiger Begriff. Wenn es aber mit so einer Methode gelingt, einen neuen Umgang mit Belastungssituationen zu lernen, bei dem man über das Sich-Ablenken oder die klassischen Coping-Strategien hinausgeht, dann verdient sie wirklich einen eigenen Begriff und einen festen Platz in Ansätzen des Coachings und der Personalentwicklung. Ein Blick in das Buch vermittelt einen positiven Eindruck von “Introvision” und erinnert mich an Selbstregulationsansätze aus der kognitiven Verhaltenstherapie (z.B. von Kanfer). Das Buch ist leider wirklich etwas sperrig und setzt die Gelassenheit schon voraus, die man sich durch die Methode aneignen soll…

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