Recruitainment und Gamification in moderner Personalarbeit

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Britta Kurth, Studentin der Psychologie.

Recrutainment – wie Arbeitgeber den Spieltrieb von Bewerbern nutzen

Immer mehr Unternehmen gestalten ihr Recruiting unterhaltsamer, um Bewerber von sich als Arbeitgeber zu überzeugen. Unter dem Schlagwort des „Recruitainments“ sollen typische Spielelemente in Assessment-Aufgaben oder ganz neue Formate wie Escape Rooms den Spieltrieb des Bewerbers anregen.

Warum sollte man Recruiting unterhaltender gestalten?

Doch ist Recruiting nicht eine ernste Angelegenheit? Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ändert sich: Durch den Demografischen Wandel gibt es immer weniger potenzielle Arbeitskräfte. Dieser Mangel an Fachkräften macht es den Unternehmen immer schwerer, geeignete Kandidaten zu finden. Unternehmen müssen deswegen „den Spieß umdrehen“ sich vermehrt auch beim Bewerber „bewerben“. Langweilige oder gar anstrengende Formate wirken dabei auf den Bewerber abschreckend. Im Sinne des Employer Brandings soll das Unternehmen als Arbeitgeber attraktiv gemacht werden und so potenzielle Arbeitskräfte zu sich locken.

Auch die Bewerber ändern sich: Immer mehr Menschen spielen Video- und Computerspiele und die Generationen Y und Z sind mit interaktiven Medien aufgewachsen. Wer als Arbeitgeber diese Bedürfnisse berücksichtigt, findet schnell Aufmerksamkeit. Der Gamification-Ansatz integriert typische Spielelemente in spielfremde Kontexte, um Anziehungskraft und Wirkung von Spielen für die eigenen Ziele zu nutzen.

Was genau ist Recrutainment?

Recrutainment setzt sich aus den Begriffen Recruiting und Entertainment zusammen, soll also Recruiting spannender und unterhaltsamer machen. Diercks und Kupka (2013) definieren den Begriff als „Einsatz spielerisch-simulativer und benutzerorientierter Elemente in Berufsorientierung, Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting“. Einige Unternehmen entwickeln ganz neue Formate, wie zum Beispiel Escape Rooms als unterhaltenden Event, um mit Fachkräften in Kontakt zu treten und das eigene Unternehmen darzustellen. Doch das Rad muss nicht neu erfunden werden: Auch bereits bestehende Assessment-Elemente können so angepasst werden, dass sie vom Bewerber als unterhaltsamer wahrgenommen werden. Es können beispielsweise zusätzliche Informationen zum Unternehmen gegeben und die Gestaltung eines Assessments an Unternehmenskultur, -werte und –design angepasst werden.

Wie wirksam ist Recrutainment?

Bei einer Studie zur Bewertung von Recrutainment-Aspekten in einem Online-Assessment haben Bewerber für eine Ausbildung in einer realen Auswahlsituation mehrere Leistungstests bearbeitet. Der Gesamttest wurde in eine Geschichte eingebettet und die Bewerber erhielten zusätzlich Informationen über das Unternehmen und die Ausbildung. Anschließend (aber vor der Verkündung der Auswahlentscheidung) sollten die Bewerber die einzelnen Aspekte Test, Zusatzinformationen und Design/Gestaltung bewerten und schließlich das Online-Assessment insgesamt. Das Online-Assessment wurde insgesamt im Durchschnitt besser bewertet als der Test und die Recrutainment-Aspekte Informationen und Gestaltung wurden sehr positiv bewertet.

Wichtig für die Wirksamkeit ist ein neben der Testgüte, dass die Absicht hinter dem „Spiel“ oder dem Test erkennbar sind. Der Bewerber sollte stets nachvollziehen können, warum die Fähigkeiten, die in dem Assessment erhoben werden, für die zu besetzende Stelle relevant  sind. Das bedeutet: Spielerische Elemente können Auswahlverfahren aufwerten, jedoch dürfen Seriosität und Anforderungsbezug nicht leiden.

Ob informative, moderne Videos in Online-Tests oder kommunikative, unterhaltsame Elemente in Assessment- oder Development-Verfahren: ITB berät Sie gerne dabei, wie Sie Ihren Auswahlprozess modern gestalten können, und setzt Lösungen passgenau um.

Bewerberauswahl per Online-Test

Unsere Checkliste verrät, worauf Sie bei der Wahl Ihres Wunschsystems achten sollten.

Sie möchten die bestmöglichen Bewerberinnen und Bewerber mithilfe von Online-Tests auswählen und sind auf der Suche nach einem kompetenten Partner? Unsere Checkliste kann Ihnen dabei helfen, Anbieter und Systeme für solche Tests auf Herz und Nieren zu prüfen – damit Sie auf die Richtigen setzen.

  1. Gutes Fundament. Psychologisch fundierte und eignungsdiagnostisch saubere Arbeit lässt sich auf den ersten Blick nicht erkennen oder überprüfen. Jedoch bietet sie einen guten Anhaltspunkt, sich die Qualifikationen der Beteiligten, z. B. die Lizensierung der Beteiligten nach DIN 33430, anzuschauen. Die DIN 33430 beschreibt die Anforderungen an berufsbezogene Eignungsdiagnostik. Mehr Informationen finden Sie hier: http://www.din33430portal.de/
  2. Zufriedene Bewerberinnen und Bewerber. Sie möchten Ihren Bewerberinnen und Bewerbern etwas bieten – unterstützt Sie der Anbieter mit entsprechendem Candidate Experience Management? Wird Wert auf die Akzeptanz der eingesetzten Verfahren und Systeme bei den Bewerberinnen und Bewerbern gelegt?
  3. Moderne Außenwirkung. Personalauswahl ist untrennbar mit Personalmarketing verbunden – lässt Sie das System des Anbieters gut dastehen? Bietet es Möglichkeiten der Anpassung an Ihr Corporate Design? Ist es optisch ansprechend und modern?
  4. Sichere Daten. Datenschutz und IT-Sicherheit sind für immer mehr Bewerberinnen und Bewerber wichtige Punkte bei der Beurteilung von Bewerbungsprozessen – Können Sie in diesem Punkt auf Ihren Anbieter setzen? Zertifikate wie beispielsweise ISO 27001 bieten hier gute Anhaltspunkte.
  5. Hohe Usability. Bewerberinnen und Bewerber, aber auch Sie selbst müssen gut mit dem System arbeiten können. Dabei sind Features wie responsives Design (komfortable Nutzung auch auf mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets) und benutzerfreundliche Umsetzung des Backends heutzutage ein Muss.

Wir möchten Ihnen IONA zeigen, unser webbasiertes Online-Assessment-Tool. IONA steht als Akronym für ITB Online-Assessment und als Werkzeug für moderne Personalauswahl und Eignungsdiagnostik. Auf der neuen Website, die wir eigens dazu eingerichtet haben, Ihnen IONA und einige der darauf eingesetzten Produkte vorzustellen, finden Sie interessante Informationen zur eingesetzten Technik, zum Datenschutz oder auch zu dem nach DIN-33430-lizensierten Team aus psychologischen Eignungsdiagnostikern, das Sie betreut.

IONA Online-Assessment der ITB Consulting

Wussten Sie zum Beispiel, dass IONA komplett Smartphone-tauglich ist? Durch die aktuelle Bewerbersituation spielt die Candidate Experience, also ein als positive Erfahrung erlebter Bewerbungsprozess seitens der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, eine wichtige Rolle. Wenn Sie also beispielsweise Ihren Bewerberinnen und Bewerbern mit einem Interessentest (sogenanntes Self-Assessment, mehr dazu im ITB-HR-Blog) dabei helfen möchten, sich unter verschiedenen Bereichen (z. B. verschiedenen Ausbildungsgängen bei Bewerbern für Ausbildungsplätze) für den mit der besten Passung zu entscheiden, ist IONA das richtige Werkzeug für Sie. Gerne können Sie das System auch direkt in Ihre Webseite einbinden (iFrame-Technologie). In ansprechender Weise dargestellt, bringt das moderne System sogenanntes Responsive Design mit – auf PC, Tablet und sogar Smartphone können Ihre Bewerberinnen und Bewerber den Interessenstest durchführen, wann immer sie dazu Lust haben.

Noch mehr zu IONA und zum IONA-Produktkatalog finden Sie unter https://itb-iona.de/.

Eignungsdiagnostik 4.0 – Kompetenzen für eine digitale Welt

Ein aktueller HR-Report von Hays und dem IBE beschäftigt sich mit Anforderungen an Mitarbeiter und Führungskräfte in einer digitalen Welt. Bei den Hard Skills werden als zentrale Kompetenzen – wenig überraschend – Medienkompetenz und IT-Kompetenz genannt. Bei den Soft Skills stehen zwei Kompetenzen ganz oben, nämlich Veränderungsmanagement und Selbstmanagement. Während Verändungskompetenz in ACs oder DCs der ITB Consulting quasi „gesetzt“ ist, taucht die von den Befragten geforderte „Stärkung der Eigenverantwortung des Einzelnen“ bisher nur indirekt auf. So treffen Teilnehmer in ITB-Potenzialermittlungsverfahren eine für sie relevante Auswahl aus dem Beobachterfeedback und erstellen eigenständig ihren Ergebnisbericht. Will man Selbstmanagement als eigene Kompetenz direkt erfassen, gilt es, verschiedene Facetten von Komplexitätsmangement bis hin zu Resilienzaspekten herauszuarbeiten und mit einem diagnostischen Verfahren zu verbinden. Hierbei kommen einem zuvorderst E-Assessments oder online Assessments in den Sinn, die sich methodisch stimmig in eine digitale Arbeitswelt einfügen. Mehr dazu auf www.itb-consulting.de

Kandidaten-Management

Candidate Experience Management – Ihr Kandidat ist König? Jeder Kontakt zählt im Wettbewerb um die richtigen Talente.

Recruiting-Afterwork in Frankfurt am Main, 07.05.2015, 19:00 – 20:00 Uhr, MEET N WORK, Poststr. 2-4, Frankfurt

Moderation:

  • Ina Ferber, Diplom-Psychologin, MBA Harvard Business School, Expertin für Employer Branding und Candidate Experience Management. Inhaberin der Ferber Personalberatung.
  • Anke Terörde-Wilde, Diplom-Psychologin, Gesellschafterin der ITB Consulting GmbH (ehem. Forschungsinstitut der Studienstiftung des Deutschen Volkes; u.a. durch den Medizinertest bekannt).

Candidate Experience Management (CXM) nutzt professionelle Instrumente des Marketings und der Prozessoptimierung im Recruiting. Nur ein ganzheitlicher Recruitingprozess führt zum Erfolg. Deswegen beleuchten wir CXM aus drei Perspektiven:Vom Online-Formular bis zum Arbeitsvertrag – mit CXM gewinnen Sie Wunschkandidaten und eine gute Reputation als Arbeitgeber.Professionelles Candidate Experience Management braucht fundierte Auswahlverfahren und wertschätzendes Feedback, auch nach einer Absage. Das Richtige wollen und das Richtige tun sind zwei Paar Schuhe. Die Einführung des CXM braucht Prozess- und Changemanagement.

Mehr Informationen und Anmeldung hier…

Im Executive Assessment auch „Executive Derailer“ erkennen!

Manager können aus den verschiedensten Gründen in einer Position scheitern. Selten liegen sie außerhalb der Person – keine Unterstützung durch die Unternehmensleitung, Wegbrechen des eigenen Netzwerks, politische oder Marktveränderungen… Viel häufiger sind sie in der Person des Managers zu finden: Er oder sie hat nötige Kompetenzen nicht ausreichend zur Verfügung oder der persönliche Stil und die besonderen Kompetenzen passen nicht zur Unternehmenskultur. Dieser Blick auf die „guten“ Kompetenzen oder Eigenschaften, wie z.B. Kommunikationsfähigkeit, analytische Fähigkeiten, unternehmerisches Denken etc., prägen üblicherweise ein Executive Assessment: Werden die relevanten Kompetenzen als gut ausgeprägt eingeschätzt, so ist dies eine verlässliche Prognose für künftigen Erfolg und der Manager erhält in der Regel ein Angebot.

Eine andere Perspektive ist diejenige auf „Executive Derailers“ : Jene Eigenschaften und Verhaltensweisen, die häufig mit Misserfolg einhergehen und daher zum einen die Karriere des Managers gefährden, zum anderen für Unternehmen teuer bis fatal werden können. Verschiedene Forscher haben sich mit diesen Risikofaktoren beschäftigt. Die Autoren Dotlich und Cairo beschreiben z.B. 11 solcher Faktoren:

  • Arroganz
  • Hang zur Dramatik
  • Sprunghaftigkeit
  • Übertriebene Vorsicht
  • Habituelles Misstrauen
  • Distanziertheit
  • Leichtsinn
  • Exzentrik
  • Passiver Widerstand
  • Perfektionismus
  • Übermäßiges Bestreben zu gefallen

Nicht jeder dieser Risikofaktoren beschreibt etwas qualitativ Neues, das wir nicht schon immer im Rahmen von Assessments diagnostiziert hätten: So sind übertriebene Vorsicht und Leichtsinn die beiden unangemessenen Extreme der positiv formulierten Kompetenz „Kalkulierte Risikobereitschaft“, auf die wir von jeher achten. Auch Arroganz und Distanziertheit sind Implikationen von mangelnder sozialer Kompetenz, die stets besonders intensiv analysiert wird. Interessant am Fokus auf die „Derailer“ aber ist, dass sie als Stärken missverstanden werden können (Perfektionismus z.B. ist für den Wissenschaftler eine sicher positive Eigenschaft; beim Top-Manager aber wird sie zum Risiko) und dass das massierte Auftreten dieser schädlichen Verhaltensweisen ein sicherer Prädiktor für Misserfolg ist – ein Unternehmen also gut daran tut, Manager mit solchem Risikopotential aus dem Unternehmen herauszuhalten, auch wenn andere positive Kompetenzen für die Person sprechen mögen. Im Executive Assessment sollte also unbedingt auch auf diese Faktoren geachtet werden, und in Auswahlsituationen muss gelten: im Zweifel gegen den Kandidaten.

Literaturhinweis:

David L. Dotlich & Peter C. Cairo (2003): Why CEO’s Fail: The 11 Behaviors That Can Derail Your Climb to the Top and How to Manage Them. Jossey-Bass.

Weitere Informationen zum Thema “Management Assessments” erhalten Sie hier…

ITB-Veröffentlichung: Selbstverantwortung nach Maß

Wenn Unternehmen Mitarbeiter gewinnen, binden und entwickeln wollen – und somit ihre Zukunft sichern wollen,  braucht es gewissermaßen eine neue Vereinbarung: Statt „Geld gegen Können und Zeit“ heißt es neu: „Entwicklungsmöglichkeiten plus Freiräume plus Geld gegen Können und einen Teil Deiner Zeit – und dafür übernimmst Du einen Teil Deiner Entwicklung selbst“.  In einer aktuellen Veröffentlichung in der Personalwirtschaft plädiere ich als Beraterin bei ITB Consulting für mehr Selbstverantwortung in der Personalentwicklung.

Wodurch zeichnet sich Selbstverantwortung in der Personalentwicklung aus?

Selbstverantwortung…
–    … ist eine Haltung, die sich nicht „verordnen“ lässt.
–    … betrifft alle Beteiligten im Berufsleben.
–    … braucht eine Kultur des Vertrauens.
–    … kann „unbequem“ sein.
–    … braucht das richtige Maß.

Im Artikel wird skizziert wie Selbstverantwortung in der Personalentwicklung gefördert werden kann.

Maßnahmen sind zum Beispiel:

  • Einbindung  von Mitarbeitern in Entwicklungsmaßnahmen (z.B. indem Teilnehmer eines Development-Centers ihre eigenen Entwicklungspläne schreiben)
  • Förderung von Selbsterkenntnis und Selbst-Einschätzung  (z.B. in Form von Self-Assessments wie dem Leadership Assessment ITB-LEAS)
  • Einführung von kollegialer Beratung und „Selbst-Coaching“
  • Integration von „Selbstverantwortung“ in Kompetenzmodelle
  • Vertrauen schaffen durch klare Erwartungen, transparente Spielregeln und Zuverlässigkeit

Der Artikel ist erhältlich über: www.personalwirtschaft.de Terörde-Wilde, A., (2015): Plädoyer für mehr Selbstverantwortung. Personalwirtschaft 10, 48-50.

Ist das Thema „Selbstverantwortung in der Personalentwicklung“ auch für Sie ein wichtiges Thema?

Executive Assessment – Ein Beispiel

Akzeptieren Executives ein Assessment, wenn sie sich für eine neue Stelle interessieren? Ja, sie akzeptieren es und sie profitieren auch davon! Ein schönes Beispiel: Neulich bekam ich die Rückmeldung eines Assessment-Teilnehmers: „Haben Sie nochmals vielen Dank für das gründliche und kritische Feedback. Ohne dieses und die folgenden Maßnahmen hätte ich die Aufgabe wohl nicht gemeistert!“

Der Kunde war ein Dax30-Unternehmen, der Kandidat, Ende Dreißig, hatte Erfahrung in vergleichbaren Großkonzernen und in den letzten Jahren in der Holding des Unternehmens ein kleines, schlagkräftiges Marketing-Team geleitet. Er hatte erfolgreich mit den verschiedenen Geschäftsbereichen zusammengearbeitet, das Marketing quasi „revolutioniert“. Nun war er im Gespräch für die operative Führung einer Landesgesellschaft: Eine reine Vertriebseinheit, ca. 200 Mitarbeiter, mit einer schwierigen Geschichte.

Um das Assessment passgenau zuzuschneiden, ließ ich mir vom künftigen Vorgesetzen nicht nur die Position und deren Anforderungen, sondern auch seine Einschätzung der Stärken und potenziellen Schwächen des Kandidaten schildern. So ließen sich Assessment-Elemente gestalten, die genau jene Aspekte deutlich beleuchteten, bei denen der Kandidat in der neuen Funktion ggf. Schwierigkeiten haben würde.

Das Profil, das sich im Assessment ergab, überraschte dann dennoch: Erwartungsgemäß zeigten sich Stärken im strategischen Denken und allen Markt- und Kunden-bezogenen Themen. Ebenso überzeugte der Kandidat durch seine kommunikativen Fähigkeiten. Dass er noch keine umfassende Erfahrung in der Führung großer Bereiche hatte, war bekannt. Überraschend war aber, dass dieser strategisch denkende Manager ein fast naiv wirkendes Konzept von Führung hatte und keine ausgereifte Idee, wie er sich als Führungskraft in der Vertriebseinheit positionieren wollte. Ebenso fehlte es ihm an Wissen und dem nötigen „Handwerkszeug“ für ein effektives Change Management. Damit wurde deutlich, wie schwierig es für ihn werden würde, seine guten Ideen mit der Vertriebsmannschaft umzusetzen, und dass er Gefahr lief, sehr schnell am Thema Führung zu scheitern.

Gemeinsam entwickelten wir einen konzertieren Entwicklungsplan und verschoben die Übernahme der neuen Aufgabe um einige Wochen. Wesentliche Bestandteile des Plans waren

  • ein intensives Coaching; hierfür konnten wir einen erfahrenen Führungscoach aus unserem Netzwerk empfehlen;
  • Seminare zum Thema Führen und Change Management;
  • Vorbereitende Gespräche mit anderen Führungskräften des Unternehmens, die Einblick in die besondere Situation der Vertriebseinheit geben konnten;
  • eine Art „Patenschaft“ mit einem erfolgreichen Leiter der Vertriebseinheit eines anderen Landes.

Nach den ersten sechs Monaten in der neuen Funktion waren sowohl der Manager selbst als auch sein Vorgesetzter enthusiastisch: Der Plan hatte funktioniert, er hatte sich erfolgreich positioniert und seine Einheit stand hinter ihm. Nach weiteren sechs Monaten konnte er deutliche Verbesserungen der Umsatzzahlen vermelden.

kognitive Tests erhöhen die Validität von Assessment-Centern

Eine kleine, im Journal of Applied Psychology veröffentlichte Meta-Analyse (hier ein Abstract) vom Januar 2015 kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass die kriterienbezogene Validiät von multimodalen Assessments höher ist, wenn diese kognitive Tests beinhalten. Dies bestätigt die Annahmen, dass a) kognitive Fähigkeiten in nahezu allen Berufsfeldern relevant sind und b) kognitive Fähigkeitstests am besten geeignet sind, um diese Fähigkeiten zu erfassen.

Mehr zu ITB-Assessment-Centern: http://itb-consulting.de/de/produkte/personalauswahl/simulationsverfahren/assessment-center/

Gleiche Chancen in unterschiedlichen Kulturen

Ein anderer Aspekt, der im Hinblick auf die Chancengleichheit in internationalen Assessment-Centern eine Rolle spielt, ist die Spannung zwischen der Kultur des Landes und der Kultur des gesamten international agierenden Unternehmens, die sich in den Anforderungen an eine bestimmte Position widerspiegelt. Einerseits sollen die Teilnehmer der Auswahlverfahren das Unternehmen repräsentieren und dessen Werte mittragen, andererseits sollen sie in der jeweiligen Kultur erfolgreich arbeiten.  Insbesondere dann, wenn die Unternehmens- und Landeskultur sich in konträren Werten niederschlägt, stellt sich die Frage nach der Chancengleichheit für die Teilnehmer. Bei einem standardisierten kulturübergreifenden Verfahren, das meist aus der Zentrale in die jeweiligen Länder „importiert“ wird, können die Ergebnisse im Nachhinein verglichen werden. Andererseits erhöhen sich die Erfolgschancen des gesamten Unternehmens, wenn die Mitarbeiter in der jeweiligen Kultur erfolgreich sind.

Die Entscheidung für die eine oder andere Ausgestaltung wird außer von der Zielsetzung des Verfahrens und der anvisierten Teilnehmergruppe nicht zuletzt von der jeweiligen Unternehmensstrategie bestimmt.

Internationale Assessment-Center – Wie kann Chancengleichheit gewährleistet werden?

Wenn ein Unternehmen internationale Assessment-Center einsetzt, dann geht es um die Auswahl für einen für alle Teilnehmer einheitlichen internationalen Arbeitskontext. Das bedeutet, dass Teilnehmer wie Beobachter aus unterschiedlichen Ländern zusammentreffen und sich in einem einheitlichen Verfahren, das die Kultur und Werte des gesamten international agierenden Unternehmens spiegelt, beweisen müssen.

Wenn man dabei an die Vergleichbarkeit und die Chancengleichheit denkt, dann fällt als erstes der Faktor Sprache ein: denn die meisten Teilnehmer und Beobachter müssen ein solches Verfahren in einer Fremdsprache absolvieren. Je nachdem, wie gut die Teilnehmer die gemeinsame Sprache beherrschen, spiegelt sich die Kenntnis mehr oder weniger in der Leistungsbewertung in einer konkreten Übung. So mag es beispielsweise bei der Bearbeitung einer Fallstudie, die das schnelle und effiziente Durchdringen umfangreicher und komplexer Information voraussetzt, zu einer Vermischung der Bewertung von Sprachkenntnissen und analytischer Kompetenz kommen, da allein das Lesen von Texten in einer Fremdsprache anspruchsvoller ist als in der Muttersprache. In einem solchen Fall ist es herausfordernd für die Beobachter, zwischen sprachlichen und zielkompetenzbasierten Leistungen zu unterscheiden. Hier kann die Verwendung eines Sprachtest helfen, diese Unterscheidung vorzunehmen. Sinnvoll ist natürlich, bereits im Vorfeld festzustellen, ob ein Teilnehmer überhaupt die sprachlichen Anforderungen des Assessment Centers bewältigen kann oder nicht.

Andererseits, wenn die Konzernsprache zum Beispiel Englisch ist und Mitarbeiter später überwiegend in dieser Sprache arbeiten werden, sollte auch das Assessment-Center in englischer Sprache durchgeführt werden. In diesem Fall stellt das Verfahren eine realistischere Simulation des (zukünftigen) Arbeitsalltags dar und weist damit eine höhere prognostische Kraft auf.

Um die Chancengleichheit zu erhöhen, könnte es für die Teilnehmer sinnvoll sein, einzelne Assessment-Center-Elemente, etwa eine vorbereitete Präsentation oder eine Selbstvorstellung, in der Muttersprache durchzuführen. Es gibt aber auch weitere allgemeine Punkte, die bei der Verfahrensentwicklung berücksichtigt werden sollten, um den Einfluss der Sprache zu minimieren:

  • Die Vorbereitungszeiten sollten ausreichend bemessen sein.
  • Bei den Instruktionen sind möglichst klare und einfache Formulierungen zu verwenden. Umgangssprachliche Formulierungen, sprachbedingte Andeutungen, Metaphern und verdeckte Botschaften sollten vermieden werden.
  • Wenn möglich, sollten Übungen mit umfangreichem Textmaterial vermieden werden. Wenn sie zum Einsatz kommen, ist es empfehlenswert, Glossare mit schwierigen beziehungsweise fachspezifischen Begriffen bereit zu stellen.

Systemische Development Days: Auswahlelemente plus Coaching

In Zeiten des Fachkräftemangels wird Mitarbeiterbindung immer wichtiger: Mitarbeiter bleiben einem Unternehmen treu, wenn sie attraktive Aufgaben haben, erkennbar einen Beitrag leisten können und Entwicklungsmöglichkeiten sehen.

Fundierte diagnostische Verfahren, wie Assessment oder Development Center, helfen bei der Beurteilung von Potenzial, identifizieren Stärken und Lernfelder eines Mitarbeiters und unterstützen die passgenaue Platzierung bei Vakanzen. Was passiert jedoch mit Teilnehmern eines solchen Verfahrens, welche die Anforderungen (noch) nicht erfüllen? Ist für diese Mitarbeiter Stillstand oder sogar das „Aus“ der Karriere vorprogrammiert?

Die Lösung für eine derartige Entwicklungsplattform fand die ITB Consulting gemeinsam mit der METRO SYSTEMS, dem IT Dienstleister der METRO, und schlug „Systemische Development Days“ vor, bei denen diagnostische Übungen wie sie typischerweise im Assessment Center vorkommen, z. B. Rollenspiele oder Gruppenübungen, als Ausgangspunkt für systemische Coaching- und Reflexionselemente dienen.

Von diesem Ansatz überzeugt, führte die METRO SYSTEMS sogenannte „Orientation Days“ ein, in denen die Methodik der “Systemischen Development Days“ METRO SYSTEMS-spezifisch umgesetzt wird. Berater der ITB Consulting und HR-Vertreter der METRO SYSTEMS entwickelten das Verfahren sukzessive und in enger Abstimmung. So konnten psychologisches Know-How und Best Practices aus Diagnostik und Coaching optimal mit den business-relevanten Bedürfnissen der METRO SYSTEMS kombiniert werden.

Wie in Assessment oder Development Centern auch, wird beim Orientation Day Verhalten von Teilnehmern während verschiedener beruflich relevanter Situationen beobachtet. Der Unterschied: Während in einem Development Center die Anforderungen einer möglichen Position auf der nächsthöheren Ebene das Verhaltenssoll vorgeben, gilt beim Orientation Day ein intraindividueller Maßstab. Unabhängig vom Verhalten anderer Teilnehmer oder einem definierten Sollwert werden individuelle Stärken und Lernfelder eines jeden Teilnehmers identifiziert. Diese Individualperspektive hilft den Teilnehmern, Rückmeldungen leichter zu akzeptieren und im Job umzusetzen.

Während des eintägigen Verfahrens wechseln sich diagnostische Übungen, z. B. Rollenspiel und Gruppenarbeit, mit systemischen Coaching-, Feedback- und Reflexionsrunden ab. Eine kleine Gruppe von Teilnehmern arbeitet dabei eng zusammen mit Linienführungskräften und Senior-Experten, die die Rolle von Mentoren einnehmen, und Coaches, repräsentiert durch HR-Vertreter und ITB-Berater. Diagnostische Elemente dienen im Verfahren als Beobachtungsgrundlage. Durch die Selbstreflexion sowie die Multiperspektiven-Feedbacks von Mentoren, Coaches und Kollegen werden Stärken und Lernfelder identifiziert. Beispielsweise arbeiten vier Teilnehmer in einer Gruppenübung zusammen, werden dabei beobachtet, reflektieren im Anschluss unter Beisein der Beobachtenden ihr Verhalten während der Gruppenarbeit, bekommen von den Beobachtenden Feedback und erarbeiten sich schließlich einige „Take Home“-Botschaften. Als systemisches Prinzip beim Feedback-Geben gilt: „Wir verhandeln nicht über die Wahrheit, sondern tauschen Wahrnehmungen aus. Jede Wahrnehmung hat ihre Relevanz.“ Durch diese Form von Feedback wird eine Kultur etabliert, die mehr Perspektiven als nur „schwarz“ oder „weiß“ kennt.

Die Teilnehmer selbst notieren im Laufe des Tages auf einer Metaplanwand sowie in einem Selbstreflexionsbogen Feedback zu ihrem Profil. Sie wählen die festzuhaltenden Punkte aus nach dem Motto: „Was hat die meiste Relevanz für den Joballtag und die weitere Laufbahn?“. Stärken und Lernfelder werden in gleicher Zahl „gesammelt“: Positives motiviert zum Weitermachen, Verbesserungswürdiges ermöglicht, sich neue Entwicklungsziele zu stecken. Auch sind die Teilnehmer explizit dazu aufgefordert, sich durch „Abschauen von Anderen“ inspirieren zu lassen und sich Tipps von den Mentoren und Coahes zu holen.

Systemische Development Days im Gesamtkontext

 

Ein innovatives Unternehmen braucht aktive Mitgestalter auf Mitarbeiterseite

Du hast natürlich recht, Alex: ohne das passende Umfeld von der Unternehmensseite können auch die veränderungskompetentesten Mitarbeiter keine Veränderungen mittragen. Wenn aber auf Unternehmensseite alles passt, frage ich mich, ob neben der Fähigkeit und der Bereitschaft, sich an neue Situationen anzupassen, auf Mitarbeiterseite nicht noch mehr betrachtet werden müsste. Denn wie du, Lioba, bereits in deinem ersten Beitrag hervorgehoben hast, schließt Veränderungskompetenz auch die Fähigkeit, Veränderungsbedarf zu erkennen, Veränderungen anzustoßen und andere für diese Veränderungen zu begeistern, mit ein. Die Diagnostik dieser Aspekte der Veränderungskompetenz finde ich mit am schwierigsten. Natürlich braucht es auch hier die nötigen kognitiven Voraussetzungen, um überhaupt ein “Problem” zu entdecken, wo bisher niemand ein Problem gesehen hat sowie Motivation, Initiative oder Kreativität, um auch unkonventionelle Problemlösungen zu entwickeln. Doch um herauszufinden, ob jemand Veränderungen tatsächlich selbst anstößt, sollte man wohl auf Interviews setzen, in denen man nach bereits initiierten Veränderungen fragt – wie auch von dir schon angedeutet, Katharina. Ebenfalls möglich wären Assessment Center, in denen die Kandidaten in Fallstudien Veränderungsbedarfe identifizieren und anschließend konkrete Lösungsvorschläge erarbeiten.